Zorro hat Herzklopfen. Bis jetzt hatte er alles unter Kontrolle. Den Rum, die Blicke, die Berührungen, die Küsse. Es war aufregend bisher. Aber jetzt geht es ins tiefe Wasser, auf offene See. Und er hat Herzklopfen dabei. Er hasst das. Ein Kämpfer kennt keine Furcht. Er hat sich in diese Situation hineinbegeben, keiner kann sagen, dass er nicht seins dazu getan hat. Also wird er das durchziehen, verdammt noch mal, Herzklopfen oder nicht.
Er schließt die Augen und lässt Jack machen. Bereit, dem Unbekannten mit Würde gegenüber zu treten.

Jack stutzt und hält inne:
Was ist los? Willst du nicht? Soll ichs bleiben lassen?

Zorro schüttelt mit geschlossenen Augen den Kopf.

Jack nimmt seinen Kopf in beide Hände:
Nein, Zorro. Nein, nein, nein.
Schau mich mal an.

Zorro öffnet die Augen und schaut in die von Jack, die im Halbdunkel pechschwarz wirken. Sein Ausdruck von jugendlicher Unsicherheit und todesverachtender Tapferkeit ist herzzerreißend.

Jack:
Weißt du, wie du aussiehst? Wie wenn ich dir gleich ein Schwert ins Herz stoßen werde. Ich komme mir vor wie ein Schwein.

Ob das wohl wieder eine Explosion gibt?
Nein. Zorro zuckt zwar zusammen, aber dann lächelt er nur ein winziges hilfloses Lächeln und weicht Jacks Blick aus.

Jack (versucht, ihm gut zuzureden):
Ich weiß, dass du Mut hast. Das musst du mir nicht beweisen. Nur, es bringt doch keinem etwas, wenn...

Zorro (leise):
Das ist schon in Ordnung. Mach weiter.

Jack (ungeduldig):
Aber mir macht es so keinen Spaß, verstehst du?

Zorro blickt mit gesenktem Kopf an ihm vorbei. Er ist rot geworden, aber zum Glück kann man das im Dunkeln nicht sehen.

Zorro (flüstert):
Tut mir leid...

Jack seufzt, und nimmt Zorro in den Arm.

Jack (verfolgt einen längeren Gedankengang):
Close your eyes and think of England. Trifft man immer wieder. Leider. Kann ja sein, dass manche es so am liebsten mögen. Ich jedenfalls nicht.


(Anmerkung für die, die es nicht wissen: Diesen Satz gab Königin Victoria der Legende nach ihren Töchtern statt Auskunft über Blumen und Bienen in die Hochzeitsnacht mit. Damit sind wir zwar ein, zwei Jahrhunderte zu spät dran, zu Jacks Zeiten wurden die Dinge lockerer gehandhabt. Aber es passt so schön.)


Da hat wirklich niemand etwas davon. Außer der englischen Krone vielleicht.

Zorro (nach einer Pause, der Rum hat seine Verwirrung über den scheinbar sinnlosen Satz abgefedert und ihn über Jacks Worte nachgrübeln lassen):
Ich hab doch gar nicht an England gedacht.

Jack prustet vor Lachen:
Nicht? Dann ist ja gut...

An was hast du denn gedacht? Oder an wen?

Zorro kuschelt seine Kopf in Jacks Halsbeuge und grinst:
Sag ich dir nicht.

Jack (mit einem Funken von gekränktem Stolz):
Na, nicht an mich, oder?

Zorro zupft an den perlengeschmückten Zöpfchen von Jacks Bart, die ihm auf die Stirn herabbaumeln. Mit einem Anflug seiner gewohnten Rotzigkeit:
Nee, wozu denn? Du bist doch sowieso da.

Jack ist einen Moment fassungslos über die Breitseite, die Zorro da auf ihn abgeschossen hat. Dann beschließt er, es als Zeichen absoluter Unerfahrenheit in solchen Momenten zu nehmen und es zum Kichern zu finden. Er sieht zum Nachthimmel empor und fragt sich, an wen Zorro wohl denken mag. Bei näherem Nachdenken findet er den Gedanken recht aufregend. Er hat ein paar Theorien, aber letztendlich... dafür kennt er Zorro nicht gut genug. Und nicht alle Geheimnisse soll man lüften. Und wenn es dem Jungen hilft...

Schweigen, Meeresrauschen.

Totale für die Mädels und andere interessierte Zuschauer:
Die Kamera blickt auf einen nächtlichen Strand, leise plätschernde Wellen, ein heruntergebranntes Lagerfeuer, eine leere Rumflasche und zwei eng umschlungene Gestalten mit sonnengebräunter Haut, vielen interessanten Narben und Tattoos und ziemlich wenig Kleidungsstücken am Leib.

Jack (durchaus liebevoll; aber dennoch ist eine Retourkutsche fällig):
Komm, wir fangen noch mal an, ja?
Glaub mir, das wird schön. Nichts, wovor man Angst haben muss.

Und denk dran, das ist die Nacht, in der du...

Zorro (sieht ihm in die Augen und grinst)
Halt die Klappe, Jack.

Er küsst ihn und kugelt mit ihm über den warmen Sand.

Die Kamera versinkt diskret im Meer.


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