Warnung: dies ist nur geeignet für die, die One Piece nicht kennen und ein bisschen backstory haben wollen. Und für Fireball, der mehr von Sanji hören wollte.

Für alle anderen ist es ein besonders schwieriges Genre der Fanfic, das erneute Durchnudeln von Bekanntem. Bzw. dem normalen Autor geht es auch so, Rowling muss ja auch jedes Mal *Mr und Mrs Dursley und ihr fetter Sohn Dudley waren extrem unfreundlich zu ihrem Stiefsohn Harry* schreiben. Wenn man darauf keine Lust hat, sollte man es auslassen.

Ich wollte einen bestimmten Handlungsbogen so quasi anmerkungshaft hinzufügen und dann haben die charas das Reden übernommen und sind aus dem Quatschen nicht mehr rausgekommen.

Eine Etüde über: zwei Leute erzählen eine Geschichte mit ganz unterschiedlicher Haltung dazu. Und einer hört zu und macht sich Gedanken.








Sanji:
Hallo, Jack. Setz dich zu uns. Willst du auch ein Glas?

Jack (ist sehr erfreut darüber, dass der Smutje hier mit dem Rum so großzügig ist):
Klar. Danke.

grinsend:
Ihr solltet nicht so viel saufen. In eurem Alter.

Sanji grinst zurück:
Wieso, ist doch keiner da, dem wir ein schlechtes Vorbild sind. Und, komm, wir sind Piraten.

Jack (amüsiert, es ist so viel leichter, sich mit Sanji zu unterhalten als mit Zorro):
Ja. Sicher.
Wie klappt's denn so mit dem Plündern und Brandschatzen?

Zorro hätte jetzt scharf zurückgeschossen. Aber Sanji hat genau die richtige Ebene für so etwas:

Sanji (ironisch):
Das ist nicht so unser Stil.

Lysop (grinst):
Aber die Festung auf der Insel Gosa war nachher ziemlich platt.

Sanji:
Oh ja. Dank der Heldentaten des tapferen Captain Lysop.

Lysop (kichert geschmeichelt, aber er möchte vor Jack etwas richtig stellen):
Nee, das war Ruffy. Hauptsächlich...

Jack merkt, hier spielen sich zwei mit Freude Bälle zu, die er nicht kennt. Das könnte sogar ein gutes Seemannsgarn werden, aber ihn interessiert etwas anderes.

Jack:
Sagt mal, euer Freund Zorro, was ist dem eigentlich passiert?

Sanji:
Zorro? Dem sind zehn Jahre Schwertkampfschule passiert. Seitdem hat er den schwarzen Gürtel in Kendo und in angewandtem Irrsinn.

Lysop (an Zorros Stelle gekränkt):
Oooch, Sanji...!

Jack:
Das meine ich nicht. Diese Narbe, die er auf der Brust hat... du kannst mir nicht erzählen, dass er die aus der Schule hat.

Lysop (bekümmert):
Ja... das war schlimm. Weißt du, Zorro kann einfach nicht verlieren...

Sanji (stirnrunzelnd):
Das war Zorros heldenhafter Versuch, ins Guiness-Buch der Rekorde zu kommen. Unter der Rubrik "One Hundred Stupid Ways to Die".

Lysop findet diesen Ton absolut unangemessen:
Also, Sanji, echt...

Jack spürt, hier gibt es zwei Haltungen zu dieser noch nicht erzählten Geschichte. Für Lysop ist es von bewundernswerter Tragik, für Sanji ist es eine riesige Dummheit. Mal schauen...

Jack:
Wer erzählt denn nun, was los war?

Sanji:
Hm, vielleicht verstehst du das sogar. Wenn man sich überlegt, wie du zehn Jahre hinter deinem Schiff her bist...

Lysop, mach du. Du bist der Geschichtenerzähler.

Lysop:
Also...da hatten wir grade Sanji kennengelernt. Und da kam einer angesegelt, Mihawk Dulacre, schon mal gehört?

Jack schüttelt den Kopf. Er kann nicht jeden kennen. Aber ein eindrucksvoller Name.

Lysop:
Der kam also angesegelt, allein, in so einem ganz kleinen Boot...

Sanji:
So eins, das man mit einer Hand segeln kann. Aber das beim ersten Sturm voll läuft und absäuft.

Jack grinst. Hier hat offenbar jemand einen Sinn für gute Auftritte.

Lysop:
Aber seins war nicht vollgelaufen. Es war ganz schwarz und sah aus wie ein Sarg. So eckig und mit Fackeln dran. Und er hatte gerade eine ganze Flotte versenkt.

Jack zieht eine Augenbraue hoch. Der Junge kann wirklich ein gutes Garn spinnen. Aber er wollte eigentlich die wahre Geschichte hören.

Sanji (sachlich, ohne jeden Funken ironische Distanz):
Das stimmt. Hundert Schiffe und fünftausend Mann.

Aus Sanjis Mund hätte Jack keine blumigen Lügenmärchen erwartet. Glaubt er das wirklich? Diese Kinder erstaunen ihn immer wieder. Aber Jacks Sinn für Realität ist recht dehnbar. Also schön. Einer gegen hundert Schiffe. Hat was.

Lysop:
Die Sache ist die, Mihawk Dulacre gilt als der beste Schwertkämpfer den es zur Zeit gibt. Und Zorro hat diesen...

Sanji:
... diesen Vogel, dass er immer besser sein muss als alle anderen.

Lysop (gereizt):
... diesen EID GELEISTET, der Beste zu werden. Und da hat er ihn zum Kampf herausgefordert.

Sanji (augenrollend):
Nachdem Mihawk Dulacre mal so eben eine ganze Flotte versenkt hatte. DAS ist halt Zorro.

Lysop (begeistert):
Ja. Cool, was? Er hat ihn also herausgefordert, zum Kampf auf Leben und Tod.

Sanji:
Der Kerl hat Kunststückchen gemacht, Gewehrkugeln mit der Klinge abgelenkt und als Zorro das gesehen hat, war da kein Halten mehr. Und Mihawk Dulacre hat ihn erst mal abblitzen lassen, er hätte ja eh keine Chance.

Lysop:
Ja, voll fies. Er hatte ein riesiges Schwert auf dem Rücken, aber er hat einen ganz kleinen Dolch gezogen, so lang vielleicht...

Sanji:
Ein besseres Kartoffelmesser.

Lysop:
... und hat gesagt, das wird reichen, um Zorro zu besiegen. Dabei ist Zorro WIRKLICH gut.

Sanji:
Aber eben nicht SO gut...

Lysop:
Ach, komm!

Sanji:
Auf jeden Fall ist das genau der Weg, um Zorro garantiert nie mehr loszuwerden, bis die Sache geklärt ist. Zorro hat ihn also angegriffen.

Lysop:
Und er war klasse.

Sanji:
Nur leider hat er kein Land gesehen. Keinen einzigen Moment.

Lysop (bekümmert)
Mihawk Dulacre hat ihn tatsächlich mit einem Dolch aufgehalten, drei Schwerter und alles.

Sanji:
Na ja, er hat halt einen ganz anderen Kampfstil. Zorro geht los wie ein Mähdrescher, wo er hinschlägt, wächst kein Gras mehr. Aber der Typ mit dem Dolch, der hat all diese geballte Kraft elegant ins Leere laufen lassen. Und Zorro ist jedes Mal auf der Fresse gelandet.

Lysop:
Und dann ist er durch Zorros Deckung durchgekommen und hat Zorro mit seinem winzigen Dolch in die Brust getroffen. Weil der Dolch so kurz war und er auch nicht mit voller Wucht zugestochen hat, ist es nicht bis ins Herz gegangen. Zorro hätte nur einen Schritt zurückmachen müssen und wäre außer Reichweite gewesen. Aber das hätte für ihn bedeutet, er hat verloren. Also ist er stehen geblieben. Und Mihawk Dulacre hatte noch drei Zentimeter Klinge übrig.

Jack kann es nicht fassen. Verloren, bei einem Schritt zurück? Das macht man, und dann wirft man seinem Gegner eine Handvoll Dreck ins Gesicht. Oder tritt ihn in die Eier. Und gewinnt. Er muss dringend mit Zorro mal über Kampftechniken reden. Obwohl, Zorro kann so etwas doch? Das Problem liegt ganz woanders?
Jack schüttelt den Kopf. Die Skala der unglaublich dummen Dinge, die Leute tun wenn sie ehrlich sein wollen, ist offenbar nach oben hin offen.
Aber das erklärt noch nicht diesen meterlangen Schnitt. Selbst der große Mihawk Dulacre kriegt das mit einem Kartoffelmesser nicht hin.

Jack:
Und dann?

Lysop:
Also, Mihawk Dulacre ist ein Mann von Ehre, verstehste?

Jack stöhnt, Sanji verdreht die Augen, aber Lysop ignoriert sie.

Lysop:
Er hat Zorro nicht erstochen, er hat sogar angeboten, den Kampf zu beenden. Aber Zorro wollte nicht aufgeben, er wollte einfach nicht akzeptieren, dass er verloren hat.

Sanji:
So ein Spinner!

Lysop (mit glänzenden Augen)
Und das hat Mihawk Dulacre so beeindruckt, dass er Zorro endlich Respekt erwiesen hat.

Sanji (mit allem Sarkasmus, dessen er fähig ist):
Ja klar. Zorro war auf hundertachtzig, wegen dem Kartoffelmesser. Und Mihawk Dulacre hatte dieses ewig lange Schwert auf dem Rücken, das hat er dann gezogen und gesagt: "Es wird mir eine Ehre und ein Vergnügen sein, dich mit dem Schwarzen Schwert zu töten."

Und schon ging's Zorro wieder richtig gut.

Ich meine, Schwertkämpfer ticken doch nicht richtig, oder?

Jack kann ihm nur beipflichten. Das SCHWARZE SCHWERT. Leute, die ihren Schwertern Namen geben, die segeln auf GANZ anderen Gewässern...  Zorros Schwerter haben sicher auch Namen.
Obwohl, es hat was. Jack überlegt kurz, ob er seiner Pistole nicht einen Namen geben soll. One-eyed Beauty oder so...

Sanji:
Na, und dann kam das Unausweichliche.

Lysop (steuert mit Schwung den Höhepunkt der Geschichte an):
Zorro hat ihn wieder angegriffen, mit allem, was er noch hatte und Mihawk Dulacre hat den Angriff pariert. Und an seinem Schwert sind zwei von Zorros Klingen einfach in tausend Stücke zerbrochen.

Und dann hat Zorro aufgegeben.

Jack atmet auf. Immerhin... ein Funken Verstand...

Lysop (tief bewegt):
Er hat sich noch rumgedreht, weil er nicht in den Rücken getroffen werden wollte, das hätte wie Weglaufen ausgesehen.

Sanji (bitter):
Was natürlich gerade der wichtigste Punkt von allen war...

Lysop (lässt sich von ihm in seiner Ergriffenheit nicht beirren):
Er hat sich einfach nur hingestellt, die Arme ausgebreitet und die Augen zugemacht.

Sanji:
Damit Mihawk Dulacre ihn ehrenvoll aufschlitzen kann.
Beautiful loser. Völlig high davon. Das dreht besser als jede Flasche Rum, ich sag's dir.

Jack sieht schon kommen, was passieren wird. Die Skala der unglaublichen Dummheiten schießt in schwindelnde Höhen.

Jack:
Und? Der andere? Dieser Captain Dulacre?

Sanji:
Na, was? Er hat's getan.
Einmal quer rüber. Von hier bis da.

Lysop (nachdenklich)
Zorro hat gesagt, er hätte kaum was gespürt dabei.

Sanji:
Na klar doch. Wenn man so vom Samurai-Spirit besoffen ist, merkt man gar nichts mehr.

Lysop:
Zorro hat nicht mal gezuckt, als der Schlag kam. Dann gab's eine riesige Blutfontäne und Zorro ist vornüber gefallen, ins Wasser. Wir haben ihn rausgefischt und er hat noch geatmet.

Und Mihawk Dulacre hat gesagt, wir sollen uns keine Sorgen machen, die Wunde sei nicht tödlich, da hätte er drauf geachtet.

Sanji:
Na toll. Hätte er Zorro vielleicht mal vorher sagen sollen. Oder es einfach bleiben lassen, wenn er will, dass Zorro lebt.

Arschloch.

Aber anders wär die Botschaft in Zorros Schädel wohl einfach nicht reingegangen.

Lysop:
Als wir Zorro aus dem Wasser gezogen haben, war er kaum bei Bewusstsein. Aber er hat noch mitgekriegt, was um ihn herum vorgegangen ist. Und er hat nach seinem übrigen Schwert gegriffen und es hochgehoben und geschworen, dass er weiterleben will und niemals verlieren, bis er noch mal gegen Mihawk Dulacre antreten kann.

Mit einem hilflos-entsetzten Lachen lässt Jack den Kopf auf die Hände sinken. Die Geschichte hat ihn mehr mitgenommen, als er erwartet hat. Normalerweise hat er für die Sorgen und Nöte anderer nur ein fröhlich-erbarmungsloses Desinteresse übrig. Auf seiner geistigen Landkarte kommt nach CAPTAIN Jack Sparrow lange nur offene See.
Aber diese Geschichte ärgert ihn, mit ihrem sinnlosen Pathos. Zorro tut ihm fast leid. Bloß, Zorro würde ihm dieses Mitleid um die Ohren schlagen, wenn er davon wüßte. Also beschließt er, sich über Mihawk Dulacre zu ärgern, diesen unerträglichen poser.

Jack (höhnisch):
Und dann ist der Kerl in sein Boot gestiegen und hat gesagt, "Mach's gut, Zorro L'Olonnois, wir werden einander wiedersehen" und ist in den Sonnenuntergang gesegelt?

Sanji (grinst):
Ähm, nein.

Jack ist überrascht:
Nicht?

Lysop:
Es war so um Mittag rum. Kein Sonnenuntergang. Ansonsten genau so.

Jack (abschätzig):
Stümper. Details müssen stimmen. Sonst taugt es nichts.

Angeber, denkt Jack. So einen mal von seinem hohen Ross runterholen, das wäre was... Ehe dass er beeindruckbaren Jungs tödliche Flausen in den Kopf setzt. Das TUT man einfach nicht. Äh... na ja. Außer im angemessenen Moment.
Ein sargförmiges Boot, also wirklich... es hat schon schiffbrüchige Walfänger gegeben, die froh waren, wenn sie einen echten Sarg zum Dranfestklammern und Hilflosumhertreiben hatten. Und Fackeln. Also, FACKELN. Bei Windstärke sechs sicher eine enorm sinnvolle Sache. Aber das mit dem Sonnenuntergang verschlampen. BLÖDER Angeber!

Sanji (zuckt die Achseln):
Kann ja sein. Aber für Zorro hat's gereicht. Und seitdem kriegt Zorro jeden Morgen beim Zähneputzen vom Spiegel gesagt, dass er doch nicht so gut ist, wie er dachte. Und dass hinter den sieben Meeren einer ist, der tausendmal besser ist als er.

Lysop:
Aber Zorro wird es schaffen, da bin ich ganz sicher.

Jack überlegt sich, dass es doch sehr viel angenehmer ist, zehn Jahre hinter einem Phantomschiff herzujagen. Was hinter dem Horizont so alles lauern kann...


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