Crossing Blades 17

Jack tritt auf die dunkle Straße hinaus und macht sich hinkend, aber zufrieden auf den Weg zum Hafen. Zorro hat draußen gewartet und folgt ihm.

Zorro (matt):
Und, war das jetzt so, wie du’s haben wolltest?

Jack (selbstzufrieden):
Oh, ja.

Zorro:
Es war so was von würdelos und widerlich.
Und dann musstest du auch noch deine blöde Show abziehen.

Ich hasse dich.

Jack (leichthin):
Meinetwegen. Wenn’s dir damit besser geht.

Zorro:
Schwein!

Jack (fröhlich):
Sticks and stones...

Zorro:
Arschloch!

Jack:
… may break my bones…

Zorro:
Bastard!

Jack:
… but words will never…

Zorro:
Hurensohn!

Jack hat jetzt genug. Er weiß, dass ihm eine Nacht voller Wutausbrüche, Tränen und Verzweiflung bevorsteht, aber langsam bekommt er schlechte Laune. Wegen Zorro kann er jetzt nicht seinen Sieg feiern, nicht mit Coral flirten,  bei jedem Schritt tut ihm das Bein weh. Und es ist ja nicht so, wie wenn er jeden Tag so einen Kampf gewinnt. Ein Funken Anerkennung wäre angebracht.

Jack (dreht sich um, sein Ton ist immer noch spielerisch, aber mit einem gereizten Unterton):
Also, das... das ist ein weitverbreiteter Irrtum, den muß ich einfach mal aufklären.
Ich weiß gar nicht, wie die Leute immer auf so etwas kommen. Meine Mutter war eine britische Aristokratin, eine echte Rose Englands.  Du weißt schon, Spinettgeklimper, hauchdünne Teetässchen, französische Konversation. Sie hätte nicht einmal gewusst, was du da für hässliche Worte in den Mund nimmst...

Zorro (am Rande seiner Beherrschung):
HALT DIE KLAPPE!!

Jack, er hat am Boden gelegen!  Er konnte kaum noch was sehen vor lauter Blut. Er ist nicht mal an sein Schwert rangekommen. Und du... du hast ihm keine Chance gegeben. Du hast ihn einfach abgestochen!

Jack (kalt):
Man kann sich sein Schwert auf den Rücken schnallen und statt dessen mit einer Haarnadel rumspielen. Man  kann  aber auch Probleme kriegen, wenn man damit auf dem Rücken landet.

Und du kannst mitkommen oder du kannst es bleiben lassen.

Er will Zorro stehen lassen und weitergehen, aber Zorro packt ihn an der Schulter.

Zorro (voll kalter Wut):
Das war mein Duell! Du hast es mir gestohlen!

Und das hat mit Können nichts zu tun. Das ist eine Frage des RESPEKTS!

Jack:
Und wie viel Respekt hat dieses Schwein verdient? Wieviel Respekt hat er dir erwiesen?

Selbst im Dunkeln sieht Jack, dass er einen Treffer gelandet hat.

Zorro (leise):
Das ist meine Sache.

Jack (freundlicher):
Na, komm. Lass uns hier verschwinden.

Zorro folgt ihm nun doch Richtung Hafen. Jack hat zwar ein diffus-ungutes Gefühl dabei, wie leicht Zorro nachgegeben hat, aber erst mal wird er das ausnutzen.

Jack (versucht, Zorro gut zuzureden):
Sieh’s doch mal so. Du hast bei der Sache nichts verloren. Für alle Welt hättest du deinen Kampf gewonnen und deinen Käptn Dulacre in Stück gehackt, wenn ich mich nicht dazwischengedrängelt hätte. Und du hast noch ein ganzes Leben vor dir, um nach Schlägereien, Ruhm und Ehre zu suchen.

Zorro:
Du verstehst das einfach nicht.

Jack:
Du wärst draufgegangen, wenn ich nichts unternommen hätte.

Zorro (leise):
Ich weiß.

Jack (überrascht):
Das weißt du? Na, um so besser. Was ist verkehrt an einer zweiten Chance?

Zorro zuckt zusammen und Jack weiß nicht warum. Also redet er einfach weiter.

Jack:
Und übrigens, es ist ja nicht so, wie wenn ich dir den Rang streitig machen will. Du weißt genauso gut wie ich, dass meine Technik lausig ist, verglichen mit deiner. Und wenn ich den besten Schwertkämpfer der Welt besiege und du einfach viel besser bist als ich, dann...

Zorro (am Ende seiner Kräfte):
Mach dich nicht lustig über mich. BITTE.

Mittlerweile sind sie am Hafen angekommen.

Jack:
So, wo ist dieser Pisspott denn...

Zorro:
Was?

Jack:
Dein Schiff,  dieser schlechte Witz mit Segeln. Oder meins, je nach dem, wer das Erbe des Käptn Dulacre antreten will.

Zorro (bitter):
Das kannst du behalten. Du hast doch immer davon geträumt, ein eigenes Schiff zu haben.

Jack (gereizt):
MEIN Schiff zu haben. Nicht so eine schwimmende Lachnummer.

Zorro (piekt weiter, aber ohne Freude daran):
Ich weiß nicht, worüber du dich beklagst. Ist doch dein Stil. Es hat sogar schwarze Segel.

Jack will schon eine giftige Antwort geben, als er Zorros Augen sieht und begreift, was Zorro ihm sagen will. So fühlt es sich also an, wenn man statt seines Traums nur eine hässliche, verzerrte Karikatur davon bekommt.  Er kann Zorros Unglück verstehen, aber trotzdem, er ärgert sich.

Jack (zieht das Schiffchen an den Kai, damit sie beide einsteigen können):
Wen die Götter hassen, dessen Wünsche lassen sie wahr werden. Altes balinesisches Sprichwort.

Nun komm schon, Mr. Weltbester Schwertkämpfer.

Zorro:
Hör auf.

Hör du doch auf, denkt Jack.  Küss mich und sei mir dankbar. Jack weiß ganz genau, wie unmöglich das für Zorro ist, und er weiß, dass er nicht noch mehr Öl ins Feuer schütten sollte, aber er ist enttäuscht und frustriert und seine Nerven liegen blank.

Jack:
Na schön, wenn du den Titel nicht willst, dann behalte ich ihn eben. Schließlich habe ich ihn mir ehrlich erkämpft.

Zorro (zynisch):
Bester Haarnadelkämpfer vielleicht.

Jack:
Du willst es doch nicht im Ernst an der Waffe festmachen?
Die Hafenhuren können mit so was eine ganze Menge Schaden anrichten. Hast du die noch nie kämpfen gesehen?

Zorro (trotzig):
Was besoffene Weiber mit ihren Haarnadeln anstellen, das ist mir so was von egal.

Jack:
Hey, ich weiß gar nicht, warum du so eine schlechte Meinung von Hafenhuren hast. Die sind meistens ziemlich in Ordnung. Ohne die Mädels wären wir da nicht heil rausgekommen. Und immerhin  hat dich eine von denen gerade verarztet und getröstet.

Zorro:
Julie.

Jack:
Was?

Zorro:
Sie heißt Julie.
Kannst du gar nicht wissen, ob sie...

Jack (grinst):
Na, siehst du. Hat doch prima geklappt, mit euch beiden.

Zorro (gereizt):
Das geht dich einen Scheißdreck an. Und außerdem ist das überhaupt nicht der Punkt...

Jack (ebenfalls gereizt):
Nicht? Ich glaube schon.
Weißt du, die Frauen in den Hafenkneipen, die kämpfen wie die Furien und aus allen möglichen guten Gründen. Gold, Hass, Liebe, zuviel Rum. Nur beste Haarnadelkämpferin der Welt hat noch keine werden wollen. Ich frage mich, woran das liegt.
 
Zorro (wütend):  
Und was hat eine Hafenhure mit mir zu tun?!

Jack (boshafter als er eigentlich wollte):
Der Unterschied zwischen dir und einer Hafenhure? Ganz einfach. Was du mit dir hast machen lassen, das hätte eine Hafenhure nur für gutes Geld gemacht. Und das ist verdammt noch mal die gesündere Einstellung.


Einen Moment sieht Zorro aus, als hätte Jack ihm ein Messer in den Bauch gerammt. Er springt auf, dass das Boot ins Schwanken kommt und stürzt mit flammenden Augen auf  Jack zu. Jack will schon einem Schlag ausweichen, da bricht Zorro an seiner Schulter zusammen und wird von einem unkontrollierbaren Heulkrampf durchgeschüttelt. All die ungeweinten Tränen der letzten Wochen brechen sich jetzt ihre Bahn. Jack streichelt ihm beruhigend über den Rücken und lässt ihn sich ausheulen.
Als das Schluchzen abebbt und nur noch leise Tränen fließen, nimmt Jack ihn in den Arm und beginnt, leise auf ihn einzureden.

Jack:
Ist ja gut, heul dich aus. Aber solange du mit Heulen beschäftigt bist, kannst du mir einen Moment zuhören. Geht das?

Zorro nickt unter Tränen.

Jack:
Pass mal auf. Überall wo du hinkommst, noch in der heruntergekommensten Kaschemme,  erzählen dir die Leute immer wieder vom größten Schatz, von der schönsten Frau oder vom besten Kämpfer. Und das findest du nie da, wo du bist, sondern immer nur woanders.

Und wenn du dich dann auf den Weg machst und danach suchst, dann besteht am Ende der größte Schatz nur aus ein paar Goldmünzen. Und die schönste Frau war das mal vor zwanzig Jahren. Oder erst nach dem zehnten Bier. Oder nur in den Augen ihres Liebsten. Und der stärkste Kämpfer hat sich bei einer blöden Kneipenschlägerei abstechen lassen.

Erneutes Schluchzen. Aber kein Protest. Jack spricht weiter.

Jack:
Aber obwohl das alles so ist, ist das noch lange kein Grund, nicht danach zu suchen, verstehst du? Wär doch ein langweiliges Dasein, oder?

Zorro wischt sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen und nickt, ohne Jack anzusehen.


Schweigen


Zorro (kleinlaut):
Jack... dein Hemd ist ganz nass.

Jack (gelassen):
Ist doch nur Salzwasser.



Schweigen



Schließlich löst sich Zorro abrupt aus Jacks Armen und klettert zum Bug hinüber. Dort beginnt er, Dinge auszuräumen und ins Wasser zu werfen.

Jack fischt ein kleines, ledergebundenes Notizbuch aus dem Wasser und blättert darin.

Jack:
Interessant. Sehr interessant.

Zorro (unwillig):
Lass das! Wirf es weg!

Jack (grinsend):
Oh nein. Treibgut gehört dem Finder.

Ich muss unbedingt Nami fragen, wo...

Zorro ist zu erschöpft für noch mehr Streit.

Zorro (müde):
Na schön. Aber ich will nicht wissen, was da drin steht. Und mit nichts davon zu tun kriegen, klar?

Jack steckt das Büchlein ein. Dann löst er die Leinen und sie segeln in die Nacht.


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