Crossing Blades 15

Jack schlendert durch die engen Gassen. Er liebt solche Städte und solche Abende. Lärm, Musik und der Geruch von billigem Fusel an jeder Ecke, aber wenn man zu den richtigen Leuten gehört und die richtigen Leute sucht, dann findet man sie, an einem von höchstens zwei oder drei möglichen Orten.
Jack hat schon in der zweiten schummerigen Taverne Glück. Der Mann, der etwas abseits allein an einem Tisch sitzt, etwas unbequem, auf einem Hocker, weil ihm das lange, lange Schwert auf seinem Rücken im Weg ist. Die anderen Gäste wahren respektvoll Abstand. Er sticht ins Auge wie ein Eisberg in der Wüste und wahrscheinlich glaubt er trotz alledem, er sei inkognito hier. Blödmann.

Cooler Hut, allerdings.

Jack wirft einen Blick durch den Raum, registriert, wo die Ausgänge sind, die blonde Frau am Tresen, die Sorte Leute, die sich an der Bar drängelt. Ja, das wird eine geeignete Arena. Er zieht einen Stuhl heran, setzt sich an Mihawks Tisch und lächelt freundlich.

Mihawk ignoriert ihn.

Jack: Na, was macht ein Mann wie du an einem Ort wie diesem?

Mihawk sieht kurz auf, mustert ihn und lässt seinen Blick dann woanders hinwandern, als wäre Jack nicht mehr als ein vage interessantes Tapetenmuster.

Jack: Oh, bin ich lästig? Das kann man ändern. Ich spendier dir was zu trinken, du hörst dir an, was ich zu sagen habe und du wirst merken, es kann noch ein ganz amüsanter Abend werden. Vertrau mir.

Jack lächelt Mihawk charmant zu und erntet damit nur ein winziges Zucken der Augenbraue. Aber immerhin.

Jack (strahlt Mihawk an und steht auf, um zum Tresen zu gehen):
Ich wusste doch, dass wir noch Freunde werden. Geh nicht weg, ich bin gleich wieder da.

Jack kommt mit zwei Krügen Bier wieder und schiebt einen zu Mihawk hinüber. Mihawk ignoriert ihn.
Jack widerum ignoriert Mihawks Desinteresse.

Jack (gut gelaunt):
Sehr schön. Wunderbar. So wie es sein muss. A nos amours!

Er hebt sein Glas und nimmt einen Schluck. Mihawk trinkt nicht.

Schweigen. Mal sehen, wer es länger aushält.

Mihawk wird es schließlich zu dumm.

Mihawk (gelangweilt):
Was willst du?

Mach schnell, für Leute wie dich habe ich keine Zeit.

Jack (beiläufig):
Gut das du fragst. Es ist ganz einfach.

Wir trinken jetzt beide zu viel Bier, wir werden richtig gute Kumpels, ich beleidige dich, du forderst mich zum Kampf und ich bringe dich um.

Mihawk wirft ihm einen unsäglich blasierten Blick zu.

Jack: Okay, originell ist es nicht, aber nach allem, was ich von dir gehört habe, dachte ich mir, Captain Dulacre muss ein Mann sein, der die Klassiker zu schätzen weiß.

Mihawk:
Und wenn ich nicht will?

Jack:
Oh, ich fürchte, da hast du keine Wahl.
Okay, wir können über alles reden. Wir können uns das mit dem Bier auch sparen. Oder wenn du möchtest, kannst  du gerne mich beleidigen, kein Problem. Aber das Ende steht leider schon fest.

Mihawk (gelangweilt):
Wie ich das hasse. Stümper, die sich einen Namen machen wollen.

Jack (genauso gelangweilt):
Aber nein. Das habe ich nicht nötig. Ich habe schon einen.  

Mihawk:
Ich kenne dich nicht.

Jack (unbeirrt):
Tja, dann hast du vermutlich noch nicht viel von der Welt gesehen. Wenn du noch nie von Captain Jack Sparrow gehört hast.

Mihawk (abschätzig):
Nun, Jack Sparrow... warum dann?

Jack (ungeduldig):
Ist denn das so schwer? Muss ich mir einen Jolly Roger auf die Stirn tätowieren, damit selbst du begreifst, mit wem du es zu tun hast? Was wollen Leute wie ich? Ich will dein Schiff und deine Mannschaft.

Mihawk (überrascht):
Meine Mannschaft?

Ich verstehe. Zorro.

Jack lächelt ihm freundlich zu, wie einem begriffsstutzigen, aber eifrigen Kind.

Mihawk:
Wenn Zorro etwas mit mir auszutragen hat, dann kann er das tun. Er wird es tun.

Jack (immer noch sehr freundlich):
Siehst du, und genau das werde ich nicht ihm überlassen.

(leiser und schärfer):
Du hast dem Jungen die Seele so durchgefickt, dass er nicht mehr glücklich wird, solange du lebst. Und deshalb wirst du hier heute Abend nicht lebend rausgehen, kapiert?

Mihawk (steht auf):
Was hast du mit Zorro zu tun?

Jack weicht ein paar Schritte zurück. Weg von dem Tisch, er braucht jetzt Platz.

Jack:
Sagen wir mal so, ich möchte Zorro wieder lachen sehen. Er hat ein wunderbares Lachen.
Aber du würdest das nicht wissen.

Mihawk:
Ich wusste doch, dass er sich mit den falschen Leuten herumgetrieben hat.

Jack (macht ein paar Schritte zur Seite, um das Terrain abzustecken):
Kommt drauf an, wie man die Sache betrachtet.

(lauter, er braucht jetzt Publikum)
Nun komm schon, oder muss ich wirklich dem ganzen Saal schildern, was ich von deiner verehrten Frau Mama halte?

Ein Windstoß von draußen. Zorro steht in der Tür, mit blassen Lippen.

Zorro:
Mihawk, lass ihn in Ruhe. Bitte. Er ist nicht ganz richtig im Kopf. Er kann doch nicht mal gerade stehen. Das wäre Mord!

Mihawk (wendet sich von Jack ab und durchbohrt Zorro mit Blicken):
Wer hat dir erlaubt, das Schiff allein zu lassen?

Jack (drängelt sich zwischen sie):
Oh, das war ich. Freiheit ist eine wunderbare Sache, findest du nicht auch?

Zorro stößt ihn beiseite.

Mihawk:
Das ist gegen unsere Abmachung.

Zorro:
Und wenn schon.
Ich... ich brauch mir von dir nicht jeden Scheiß gefallen zu lassen.

Mihawk grinst. Er hat sich schon lange gefragt, wann von Zorro mal offener Widerstand kommt. Wenn sie wieder auf hoher See sind, kann Zorro was erleben.

Mihawk (selbstsicher):
Oh, sicherlich.
Aber du wirst nichts dagegen haben, wenn ich mich um meine Angelegenheiten kümmere.

Gerade du solltest wissen, dass man Leute, die sterben wollen, nicht aufhalten kann.

Also, mach, dass du zum Schiff zurückkommst!

Statt einer Antwort schnippt Zorro sein Schwert fünf Zentimeter aus der Scheide.

Das ging zu weit. Mihawks Augen werden schmal.

Mihawk (leise):
Dafür werde ich dich töten.

Zorro (zischt):
Versuchs doch!

Schon geht es los. Schwerter blitzen durch den Raum und Stahl schlägt funkensprühend auf Stahl. Jack verflucht sich, dass er seinen Einsatz verpasst hat. Genau das hätte nicht passieren sollen. Andererseits, Zorro hat sich diesen Moment so sehr gewünscht... und vielleicht ist er ja wirklich so gut?

Nach den ersten paar Paraden weiß Jack bescheid. Nein. Zorro macht einen tödlichen Fehler. Er bringt Mihawk wirklich in Bedrängnis und das macht Mihawk wirklich wütend. Bei einem so erfahrenen Gegner sollte man so etwas nur probieren, wenn man sicher ist, dass man noch ein As im Ärmel hat. Und das hat Zorro nicht. Er gibt einfach nur alles, was er hat und das macht ihn sehr berechenbar.

Das muss aufhören. Aber sich zwischen diese Klingen stellen?
Am Nachbartisch hat ein halbes Dutzend Leute Fischeintopf bestellt. Jack nimmt den heißen Suppentopf und schleudert ihn zwischen die Kämpfenden. Rote Brühe spritzt hoch, kochend heiße Gemüsebrocken fliegen nach allen Seiten. Jack stellt befriedigt fest, dass Mihawk eine Menge davon abbekommen hat. Autsch. Heiße Tomate auf bloßer Haut. Das kommt davon, wenn man sein Hemd bis zum Hosenbund offen stehen lässt.

Mihawks Hieb wäre eigentlich von tödlich-eleganter Präzision gewesen. Abgelenkt durch brodelnden Eintopf ist es mehr ein plumpes Herumfuchteln mit einem Dreschflegel.
Zorro hätte diesen Hieb vielleicht blocken können. Vielleicht auch nicht. Halb blind von Suppenspritzern, eine gekochte Garnele im Haar schafft er es nur, die ungezielte Wucht des Schlages zu brechen. Aus den Augenwinkeln sieht Jack Zorro in die Knie gehen und einen Augenblick hat er einen Eisklumpen im Magen. Bitte nicht. Nicht nach alledem, was Jack unternommen hat um genau das abzuwenden...

Glück gehabt. Zorro kniet benommen am Boden und hält sich den Kopf, offenbar hat er Mihawks flache Klinge an die Schläfe bekommen. Was ihm in breiten, roten Schlieren im Gesicht klebt und übers T-shirt fließt, ist jedenfalls Tomate. Eine von den Mädchen hat sich über ihn gebeugt, gut so. Eine von diesen hübschen Mulattinnen mit rötlich-krausem Haar und Sommersprossen. Jack wirft ihr einen fragenden Blick zu und sie nickt beruhigend zurück. Um Zorro braucht man sich jetzt erst mal keine Sorgen mehr machen. Umso besser, wenn er die nächste halbe Stunde nicht ganz bei sich ist.

So. Jetzt kommt die große Tanznummer. Und Jack wird den Teufel tun, Mihawk auch nur einen Moment führen zu lassen.

 

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