Crossing Blades 12

Jack wacht in einem Rinnstein auf. Sein Kopf  muss eine vollreife Wassermelone sein. Und warum ist es so hell? Und warum sitzt diese kleine Rothaarige neben ihm und warum sieht sie so unverschämt frisch und ausgeschlafen aus? Nami. Sie heißt Nami. Mein Gott, kann dieses Mädchen trinken. Das ist eben so mit achtzehn. Da kann man den ganzen Tag kämpfen und die Nacht hindurch saufen und am nächsten Morgen macht man einfach weiter. Ja, damals... Und die Flasche im Rinnstein ist leer.

Nami (grinst):
Schönen guten Morgen, Jack.

Jack (schwach):
Ist der Rum alle?

Nami:
Denke schon.

Jack:
Aber warum...?

Nami (grinst):  
Weil du pleite bist. Und ich nicht.

Sie steckt eine halbvolle Flasche Rum in ihre Umhängetasche. Jack verfolgt ihre Bewegung mit sehnsüchtigem Blick.

Nami: Trink einen Kaffee, Jack.

Sie reicht ihm einen Pappbecher. Jack nimmt ihn mit zittrigen Fingern und schluckt widerwillig das heiße, bittere Zeug. Dieses Mädchen... sie zerrt an seinen Nerven. Wer die mal abkriegt, der wird nichts zu lachen haben. Lass sie mal fünfundzwanzig werden, dann wird sie unerträglich sein.
Dennoch, der Kaffee tut seine Wirkung. Langsam klaren sich Jacks Gedanken etwas auf und der gestrige Abend gewinnt wieder Konturen. Ein Glas nach dem anderen mit Nami und jedem redseligen Besoffenen in jeder schmierigen Spelunke, die sie finden konnten. Bis sie herausgefunden hatten, was sie wissen wollten. Als der Wirt dann abschließen wollte, haben sie sich noch ein paar Flaschen von einem Straßenhändler geholt und draußen auf den Stufen weitergetrunken. Sie haben auf Zorro angestoßen. Aber irgendwie war ein bitterer Beigeschmack dabei gewesen.  

Nami (bedrückt):
Immerhin, wir sind jetzt schlauer als vorher.

Jack (versucht, seine Gedanken zu ordnen):
Also... die gute Nachricht ist, wir brauchen kein Schiff zu entern,  keine Festung zu stürmen, keine Hinrichtung zu unterbrechen...

Nami:
Mhm...

Jack:
... die schlechte Nachricht ist, er ist mit diesem Poser-Arschloch unterwegs.

Nami:
Mhm...

Jack:
Und nun? Ich meine, er hat ne Menge Vorsprung. Andererseits...

Nami:
Ich würde sagen, zurück zum Schiff. Ich werds Ruffy erklären.

Jack:
Und dann? Konntest du mit dem Gebrabbel letzte Nacht was anfangen? Weißt du, wo sie hinwollen?

Nami schüttelt den Kopf.

Jack:
Andererseits... mit so einer Nussschale und bei dem Wetter machen sie keine gute Fahrt.
Niemals.

Nami:
Mhm

Jack (wird langsam unternehmungslustig):
Wir fragen uns einfach durch, so wie letzte Nacht. Wie viele kleine, schwarze Spielzeugschiffchen gibts schon? Und wie viel Jungen mit grünen Haaren?  
Die können eigentlich nur von Hafen zu Hafen segeln. Sie können ja nicht viel Proviant mitnehmen.

Nami:
Nein.

Jack (überrascht):
Wieso nein? Na hör mal! Frag doch Sanji, wie viel  Vorräte er mitnehmen muss, wenn ihr längere Zeit auf hoher See seid. Und die haben keinen Platz für so was, so eine Erbsenschote  ist doch schon voll, wenn du zwei Wasserfässer mitnimmst.

Nami:
Nein. Wir fahren nicht hinterher.

Jack (vor den Kopf gestoßen):
Also, ihr überrascht mich immer wieder. Ich dachte, ihr hängt so aneinander, dass ihr einen von euch überall rausholen würdet? Hab ich mir das eingebildet, dass ich bis zum Erbrechen das Wort Freundschaft hören musste? Dass  bei euch die ehrwürdigsten Grundsätze der Piraterie bei euch mit Füßen getreten werden?

Nami:
Du verstehst das nicht.

Jack:
Aus dem Knast in Port Royal habt ihr ihn doch auch rausgeholt.

Nami:
Das war was anderes.

Jack:
Ach so?! Ich sag dir,  der Typ ist Scheiße. Solche Leute sind immer Scheiße.

Nami:
Du weißt doch, wer das ist.

Jack:
Ja, weiß ich. Eben drum.

Nami:
Das ist Zorros Sache. Die gehört nur ihm allein. Er würde dich in alle Ewigkeit hassen, wenn du dich da einmischst.

Jack:
Soll er. Besser, er ist am Leben und hasst mich als tot und mir dankbar dafür.

Nami:
Schon merkwürdig, das gerade aus Ihrem Munde zu hören. Captain Sparrow.

Jack (gereizt):
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Ich will doch nur wissen, was los ist.  Neugier ist nicht verboten. Das ist sogar eine Tugend, für Leute wie uns...

Nami (grinst):
Natürlich. Selbstverständlich.

(ernst):
Du kannst ihn nicht aufhalten. Er hat damals sein Wort gegeben. Wie ein richtiger Mann das halt so tut.

Jack:
Aber wenn ers nicht schafft?

Nami:
Dann stirbt er eben.

Jack:
Und was hältst du davon?

Nami (grinst bitter):
Ich bin ein Mädchen. Ich muss das nicht verstehen.

Jack seufzt entnervt. Dann trifft er eine Entscheidung.

Jack:
Okay. Grüß die anderen. Ich sollte zusehen, dass ich weiterkomme. Schließlich kann ich nicht ewig mit einem Kindergarten herumziehen, ich habe genug eigene Sachen zu klären.

Nami (runzelt die Stirn):
Was hast du vor?

Jack (vage):
Ach... mal schauen. Dieses und jenes. Things to see, people to do...

Sag mal, kannst du mir ein bisschen Geld leihen?

Nami (grinst):
Klar.

Aber sag später nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.

Jack:
Und schreib mir deinen Kurs auf. Habt ihrs eilig?

Nami:
Eigentlich nicht. Ich glaub nicht, dass Ruffy weiß, was Entfernungen sind.

Jack:
Dann lass dir Zeit. Treib die Jungs nicht zu sehr an. Lass sie ein Weilchen spielen.

Nami kritzelt Zahlen und Zeichnungen auf den Pappbecher.

Jack (steckt den Pappbecher ein):
Also dann. Vielleicht sieht man sich mal wieder. Grüß die anderen!

Dann ist er weg. Nami sieht ihm kopfschüttelnd nach und macht sich mit einem Bleigewicht im Magen auf den Weg zum Schiff.


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